Ein Fahrrad ist ein Fahhrad
Ich stelle mir immer wieder die Frage:
Kann ich überhaupt sehen, was gerade ist?
oder sehe ich nur Spiegelungen meiner Vergangenheit?

Ein Fahrrad ist ein Fahrrad. Ich sehe es und benenne es so. Aber habe ich, in dem was ich gerade gesehen habe, das Fahrrad ausgewählt, weil ich eine besondere Beziehung zu diesem Verkehrsmittel habe. Jemand anderes hätte vielleicht Haltestelle gesehen, die auf meinem Foto nur im Hintergrund zu sehen ist oder einen Menschen, der nachts noch arbeiten muss, oder einen sportlichen Typen oder Reklame, die an Werbespots aus der Kindheit erinnern?
Warum wählen wir das aus, was wir auswählen. Und, was sagt das über uns aus. Was können wir daraus über uns lernen.
Es scheint, dass wir Ereignisse mehr „gestalten“, als sie objektiv wahr zu nehmen. Wahrnehmung ist nicht objektiv, sondern wird subjektiv erschaffen.
Der Mönch
Warum sehe ich hier einen tibetischen Mönch der zwischen zwei Pfeilern durch schaut?
Was siehst du?

Als ich die Idee, inspiriert durch mein Erlebnis auf dem Bahnhof, für diese kleine Serie hatte, wollte ich versuchen meinen Blick von seinen Gewohnheiten zu befreien.
Emotionen wahrnehmen
Bei den folgenden Bildern habe ich mich gefragt, was in mir die stärkste Emotionalität erzeugt. Ist es wirklich das „Hauptmotiv“, das ich in meiner Routine beim Fotografieren, durch die Gestaltung des Bildes herausstellen wollte? Ist es das Reh, welches da steht? Oder ist es das Reh, welches hinter Gittern leben muss? Oder sind es die Gitter selbst, die ein Symbol für Ausgrenzung und Begrenzung sind?
Welches Bild sehe ich?

Sehe ich das Reh? Ist das Reh in meinem Fokus oder ist es ein Reh hinter Gittern, das ich sehe. Bin ich mir voll bewusst, das dort ein fühlendes Wesen hinter Gittern ist, oder sehe ich nur das Reh, unabhängig von den Umständen? Was lasse ich in mein Bewusstsein. Was denke ich, wenn ich Szene sehe?


Normalerweise denken wir über so etwas nicht nach.
Wenn wir uns bewusst sind, dass wir unsere Wirklichkeit kreieren, können wir einiges über uns, über unsere Denkgewohnheiten und unsere Art zu Urteilen lernen. Wir werden mehr Verständnis für unterschiedliche Sichtweisen haben, wenn uns bewusst ist, dass ein anderer Mensch, mit einer anderen Geschichte oder auch nur einem anderen Gemütszustand anders sieht.
ÜBUNG 2: Ich möchte dich, lieber Leser und Betrachter zu einem Experiment ermuntern.
- Betrachte das Bild, möglichst ohne zu denken, ohne Worte, Sätze oder Gefühle zu bilden. Lass alles was auftaucht möglichst beiseite.
- Wenn du das, vielleicht eine Minute gemacht schaue nach drei Dingen:
- Welche Gefühle sind bei dem Bild in mir aufgetaucht
- Wohin habe ich geschaut, welche Bereiche, Objekte etc. haben mich „intuitiv“ angezogen
- Welche Worte, Urteile, Gedanken, Sätze, Zitate sind in mir aufgetaucht
- Im Dritten Schritt kannst du folgendes versuchen:
- Was kann ich aus der Art wie ich Wahrnehme und wie ich Urteile über mich lernen?
- Wie könnte jemand anderes das was ich sehe interpretieren?
Dies vorgehen kannst du jederzeit in deinem Alltag wiederholen, so wird dein Denken und Fühlen mit der Zeit objektiver und friedvoller. Probiere es aus, es funktioniert.